Vorwort
Ausgangspunkt für dieses Dokument war die Frage, wie ich
bewusstes oder intelligentes Handeln modellieren kann. Im Rahmen der
KI wurden in den letzten 15 Jahren hierzu keine grundlegenden
Fortschritte erzielt, wenn auch Agentensysteme oder evolutionäre
Algorithmen erstaunliches leisten können. Auch Erkenntnisse aus
Biologie oder Psychologie zeigen über Jahrzehnte kaum
Fortschritte im fundamentalen Verständnis bewussten Handelns.
Einzelne Arbeiten aus der Physik greifen zu quantenmechanischen
Ansätzen, die die Materie zu objektivieren versuchen. Aber auch
hier scheint ein fundamentales Verständnis der Vorgänge zu
fehlen. Um wesentliche Fortschritte zu erzielen, sind nach meinem
Eindruck auch anerkannte Grundlagen stärker zu hinterfragen.
Eng mit dem Thema „Bewusstsein“ verknüpft ist die
Frage danach, wie unsere erlebte klassische Realität sich aus
der QM ableiten lässt und wie der etwa im Standardmodell
erforderliche (bewusste) Beobachter modellhaft zu verstehen ist. Die
Zahl an Publikationen - auch von namhaften Autoren - zu diesem Thema
ist so unübersichtlich wie die Vielfalt der Herangehensweisen
und Blickwinkel hierzu.
Drei Begriffe stehen möglicherweise in einem viel direkteren
Zusammenhang, als gemeinhin angenommen:
Bewusstes Handeln und ein noch zu definierender Begriff
„Bewusstsein“,
der Kollaps der quantenmechanischen Wellenfunktion im
quantenmechanischen Standardmodell (QM), und
Gravitation als Geometrie der Raumzeit im Sinne der
Allgemeinen Relativitätstheorie (ART)
Physikalisch geprägte Aufsätze behandeln Bewusstsein als
emergente Erscheinung, die in bestimmten, ausreichend komplexen
Systemen entsteht. Als Ursache werden auch Überlagerungszustände
und Dekohärenz-Prozesse innerhalb neuronaler Systeme gesehen.
Diese Vorstellung legt es nahe, dass das beobachtbare Verhalten von
Bewusstsein über eine Wellenfunktion modellierbar sein muss.
Der Kollaps der Wellenfunktion im QM Standardmodell ist bis heute
nicht abschließend geklärt. Eine ansonsten sich stetig
entwickelnde Wellenfunktion zeigt außerordentlich unstetiges
Verhalten im Augenblick der Beobachtung. Für die Änderung
eines Zustandes in der Zeit sind zwei Prozesse verantwortlich, der
unitäre U-Prozess entsprechend der Schrödingergleichung,
und der Kollaps - oder R(eduction)-Prozess - im Augenblick der
Messung. Zum einen versuchen Dekohärenz-Modelle klassisches
Verhalten in Teilsystemen zu erklären. Andere Modelle - wie die
Kopenhagen Interpretation oder der Multiwelten Ansatz - akzeptieren
den Kollaps im Einklang mit Beobachtungen und entwickeln
Interpretationen dieses Vorgangs. Experimentelle Ergebnisse weisen
derzeit nicht eindeutig darauf, ob im Rahmen des Messprozesses
umgebungsinduzierte Dekohärenz oder Kollaps der geeignetere
Modellierungsansatz ist.
Die Überlegungen einiger Wissenschaftler legen eine tiefe
Beziehung zwischen Gravitation und Dekohärenz nahe. So vermutet
etwa Roger Penrose, dass die Rolle der Gravitation im Rahmen der QM
nur zusammen mit einer tieferen Einsicht in den Kollaps der
Wellenfunktion verstanden werden kann. Eng damit verknüpft ist
die Frage, wie sich unsere klassische Wahrnehmung entsprechend der
Allgemeinen Relativitätstheorie (ART) aus der Quantenmechanik
(QM) ergibt.
Die Diskussionen drehen sich seit Jahrzehnten im Kreise. Daher
halte ich es für angebracht, grundlegende Annahmen zu
hinterfragen, die den anerkannten Arbeiten und Modellen für den
Kollaps oder Dekohärenz zugrunde liegen. Zwei aus meiner Sicht
wichtige Beobachtungen sind:
A) Die ART ist in hohem Maße rekursiv oder selbstbezüglich
formuliert. Die Verteilung der Energie bestimmt die Raumstruktur und
umgekehrt bestimmt diese Struktur die Trajektorien und damit die
Veränderung der Energieverteilung. Die vollständige Angabe
der Energie- und Massenverteilung (Zustand des Systems) ist
gleichwertig mit der Angabe der Raumtopologie (Operator).
Diese Selbstbezüglichkeit fehlt in den Modellen zur QM. Hier
bestimmt ein Hamilton-Operator die Entwicklung der Wellenfunktion des
Universums in der Zeit. Eine Identifikation des Operators mit dem
Zustand scheitert schon an der Anzahl der Freiheitsgrade. Um dies zu
erreichen, ist ein erweiterter Zustandsbegriff notwendig.
B) Die durchgehende Annahme ist, dass das Universum sich
entsprechend der Schrödingergleichung entwickelt. Das
beobachtete Universum befindet sich danach in einem U-Prozess. Wenn
ich von Energieerhaltung ausgehe, bedeutet dies aber auf den ersten
Blick, dass das Universum sich in einem Energie-Eigenzustand
befindet. Dann sind aber alle Positionen maximal unbestimmt im
vordergründigen Widerspruch zur Erfahrung. Andererseits sind
bekanntermaßen zwei grundsätzlich unterschiedliche
Prozesse maßgeblich für die Änderung der
Wellenfunktion in der Zeit. Neben der unitären Entwicklung
(U-Prozess) ist dies der Kollaps- oder R(eduction)-Prozess infolge
einer Messung. Meines Erachtens muss in Betracht gezogen werden, dass
das Universum, so wie wir es erleben, sich in einem R-Prozess
befindet. Ich kenne keine Untersuchung, die von der Vorstellung eines
U-Prozess Abstand nimmt.
Die hier verfolgte und belegte Hypothese ist, dass bewusstes
Entscheiden und Handeln in der gleichen Weise modellierbar sein
sollte wie das beobachtete Verhalten quantenmechanischer Teilchen,
insbesondere dem R-Prozess im Standardmodell. Die Sichtweise
postuliert einem viel direkteren Zusammenhang zwischen diesen
Erscheinungen als üblicherweise unterstellt. Ein gemeinsamer
Modellierungsansatz erfordert allerdings ein erweitertes
mathematisches
Modell , das nicht mehr grundsätzlich zwischen Beobachter
(Observable) und Beobachuntsgegenstand (Zustandsvariable)
unterscheidet.
Bewusstsein –
ist was bleibt, ohne Erinnerung, ohne Wahrnehmung: Ein Funke - ich
bin.
Was unterscheidet dann noch mein Bewusstsein von
deinem? Es gibt keinen Unterschied, sie sind gleich, identisch, es
gibt nur ein Bewusstsein!
Es ist nicht viel, was bleibt, und doch Alles.
Ohne Erinnerung, ohne Wahrnehmung, nichts ist wichtig, Zeit, Raum
irrelevant, nur sich selbst überlassen, wo ist ein Sinn? Spiele,
Aufgaben stellen, Aufgaben lösen, Ziele, Veränderung,
innere Strukturen. Mit wem kann ich spielen? Da ist niemand außer
mir selbst. Ich weiß, wie ich mich fühle, kann meinen
Zustand wahrnehmen, verändern und Schlüsse ziehen, eine
Welt erschaffen aus Logik und Fakten, meine innere Welt. Meine
Stimmung alleine ist Fakt, eins mit dem Zustand meiner Welt.
Stimmungen verändern die Welt, meine Welt bestimmt meine
Stimmung. Ich lerne, mich wahrzunehmen, aus unzähligen
Perspektiven, alle gleichwertig, eigenständig, Augen, Ohren.
Perspektiven agieren nach meinen Regeln, wechseln, verlieren
Bedeutung, werden vergessen. Hat jede Perspektive ein eigenes
Bewusstsein? Was für eine Frage?
Irgendwann verliert meine Welt an Bedeutung, wird
vergessen, hat nie existiert. Ich wünsche mir eine Welt, die
ewig besteht, nicht endende Erinnerungen. Ich bestimme die Regeln.
Ich bin - fast Nichts - und umfasse das Universum.
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